Ganz herzlich wünsche ich Euch ein frohes Pfingstfest!

Pfingsten ist das Fest, an dem unser Blick freigelegt wird. An dem sich unsere Perspektive verändert. An dem etwas in Bewegung kommt. An dem Andersheit und unterschiedliche Sprachen in neuem Licht erscheinen. An dem Vielfalt und die vielen verschiedenen Potentiale ernstgenommen und wertgeschätzt werden. An dem das Nebeneinander zu einem Miteinander werden kann. An dem sich eine Gemeinschaft bildet, die dem Geist vertraut, der uns wandelt und stärkt. Der uns stärkt auch gegen die Mächte, die uns – wie vergangene Nacht in London – mit Angst, Hass und Gewalt anstecken wollen.

Vielleicht wird uns gerade heute an Pfingsten bewusst, dass wir nicht ablassen dürfen im Einsatz für eine Welt des Miteinanders der Menschen, der Kulturen, der Religionen, der Konfessionen. Unterschiede sind kein Trennungsgrund, sondern eine Einladung, eine Einladung zum Teilen. Papst Franziskus sagt: „Es geht nicht nur darum, Informationen über die anderen zu erhalten, um sie besser kennenzulernen, sondern darum, das, was der Geist bei ihnen gesät hat, als ein Geschenk anzunehmen, das auch für uns bestimmt ist.“

Frere Alois, Prior von Taize, plädiert in seinem „Aufruf an die Kirchen“ angesichts des 500jährigen Reformationsjubiläums für einen Austausch der Geistesgaben, für einen gemeinsamen Weg, für eine Belebung des gemeinsamen Daches, wie er sagt. „Müssten die Kirchen nicht den Mut haben, sich unter ein und dasselbe Dach zu begeben, auch wenn noch nicht in allen theologischen Fragen Einigkeit besteht?“

Im 500. Jahrestag der Reformation sieht er wie inzwischen immer mehr Menschen die historische Chance, „einen neuen Schritt hin zur Einheit der Christen zu tun, und dabei über ein freundschaftliches Nebeneinander hinauszugehen.“ Tatsächlich mehren sich die Stimmen, die spüren und zum Ausdruck bringen, dass es im Reformationsjubiläum auf mehr ankommt als nur auf Erinnern, Feiern und Informieren.

Und ich glaube, es ist für unsere Gemeinschaft hier vor Ort von grosser Bedeutung, dass wir nicht nur im freundlichen Austausch sind, sondern ein konkretes Zeichen setzen: Am 8. Oktober, am letzten Sonntag unserer Anknüpfaktion, wird – begleitet von einer langen Tischreihe – von beiden Kirchen eine „Ravensburger Erklärung“ unterschrieben, in der es heisst, dass „wir uns offen und herzlich zu Kommunion und Abendmahl einladen“. Dass unser, das Euer Anliegen in dieser Weise aufgegriffen wird, und damit das Anliegen so vieler, dafür dürfen wir heute an Pfingsten danken.