Bischofsamt aus. Von 1987 bis 2008 war Lehmann zudem 21 Jahre lang Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz. Wie kein Zweiter hat Lehmann die Kirche in den zurückliegenden Jahrzehnten in Deutschland geprägt. Ich selbst erlebte Lehmann als Professor in Freiburg, wo er von 1971 bis 1983 den Lehrstuhl für Dogmatik und ökumenische Theologie innehatte.

Lehmann hat neben vielen anderen Verdiensten Wesentliches für die Ökumene geleistet. Unter gemeinsamer Leitung von Wolfhart Pannenberg (ev.) und ihm wurde 1986 das Dokument „Lehrverurteilungen – kirchentrennend?“ herausgegeben. Das zentrale Ergebnis dieses von evangelischen und katholischen Theologen erarbeiteten Dokuments lautet: Die gegenseitigen Lehrverurteilungen vor 400 Jahren treffen den Partner von heute nicht mehr. Im Text findet sich eine Art Grundformel für die Anerkennung der Andersheit des Anderen, die es so weitreichend bis dato nicht gegeben hatte, und die klar auch die Handschrift Karl Lehmanns trägt: „Die katholische Lehre übersieht nicht, was der evangelischen am Herzen liegt – und umgekehrt; und die katholische Lehre behauptet nicht, was die evangelische Lehre befürchtet – und umgekehrt.“ Die Theologengruppe fragt weiter: „Ist es im Licht der vorstehenden Überlegungen wirklich ausgeschlossen, sich gegenseitig auch eine unterschiedliche Praxis ohne Verurteilung zuzugestehen – wie es ja auch seitens der römisch-katholischen Kirche gegenüber den orthodoxen Kirchen des Ostens geschieht – und anzuerkennen, dass sie, angesichts von sachlich ohnehin nicht mehr sehr gewichtigen Unterschieden im Verständnis, beidemal gültig ist, jedenfalls keineswegs im Widerspruch zum neutestamentlichen Zeugnis steht?“

Lehmann schaut im Gespräch mit dem früheren ZDF-Intendanten Markus Schächter auf sein Leben zurück. In der Veröffentlichung mit dem Titel "Mit langem Atem. Wege - Erfahrungen - Einsichten" (Freiburg 2016) beklagt Lehmann zu wenig Mut der Bischöfe, auch gegenüber Rom. Die Bischofskonferenzen müssten endlich "den Mut haben, die ihnen zugewiesene Verantwortung auch zu wollen - und sich ihr zu stellen. Wir könnten ja in vielem mutiger sein und reden uns dauernd heraus, dass wir wegen `Rom´ nicht könnten." An einer Stelle meint Lehmann auf die Frage, wie oft er selber die hohe "Messlatte schon gerissen" habe: "Das habe ich sicher öfter mal, indem ich beispielsweise zu feige war. Oder vielleicht auch da und dort zu differenziert."

Danke für die offenen Worte, und herzlichen Glückwunsch!