Ehrlich gesagt: Wir könnten längst das Abendmahl zusammen feiern. Wo ist das Problem? Im ökumenischen Dialog haben die deutschen Theologen gezeigt: Es gibt ein gemeinsames Grundverständnis dessen, was Abendmahl und Eucharistie bedeuten. Es gibt eine Annäherung in der Frage, was Funktion und Sinn des kirchlichen Amtes sind. Und Luther hatte gute Gründe anzunehmen, dass seine Ordinationen von Pfarrern gültig sind. Kurz: Es ist möglich, die Kirchen der Reformation auch nach katholischen Maßstäben als Kirchen anzuerkennen.

Deutsche Theologinnen und Theologen sind nämlich längst dort, wo die Kirchenleitungen noch hinkommen müssen.

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Wir Katholiken sollten die Protestanten also endlich zum Abendmahl einladen: Herzlich willkommen!

Aus: Johanna Rahner, DIE ZEIT 43 (2017)